Die TAZ, die RWTH, Diversity und dass diese (nix) miteinander zu tun haben

Die TAZ ist für mich ein sehr gutes Beispiel für die aufgeklärte deutsche Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die sich in Teilen über Thilo Sarrazin und einigen seiner Ideen aufregt. Meine Vermutung ist, dass die TAZ und dessen Lesenden nicht die Fan Gemeinde von Sarrazin stellt.

Ich musste am 24. April 2010 leider klar feststellen, dass die TAZ in ihrer klaren Umgang mit Diversity kaum besser ist als das Schlimmste was ich mir vorstellen kann. Am 24. April 2010 war der große TAZ Geburtstag mit dem tazLab zum Thema Bildung: Welche Universität wollen wir? Die TAZ hatte viele Gäste eingeladen und auch 79 Teilnehmende die Vorträge gehalten haben und an Podiumsdiskussionen teilgenommen haben. Und da geht es los J Was ich sagen kann ist, dass das Thema Gender die TAZ verstanden hat. Von den 79 waren 39 Frauen und 40 Männer, wenn ich mich nicht verzählt habe. Bei den 79 sind auch einige TAZ Mitarbeitende dabei. Jetzt kommt meine Lieblingszahl: 2 . Genau zwei Leute haben einen offensichtlichen Migrationshintergrund. Eine Ausländerin aus Kenia, die in Berlin promoviert (Emily Ngubia Kuria) und ein Redakteur mit Migrationshintergrund der Taz (Felix Lee). Das sind die zwei Menschen, die ich klar erkennen kann, natürlich kann noch jemand einen französischen Pudel zuhause haben oder so, aber die anderen 77 scheinen schon sehr westlich aka deutsch.

Thema der Veranstaltung nochmal: „Welche Universität wollen wir?“ . Was will diese Auswahl der Teilnehmenden einem sagen? Ich denke die Auswahl ist ohne böse Absicht geschehen, aber einfach aus dem Herzen heraus. Grade an Universitäten sind MigrantenInnen und AusländerInnen viel stärker vertreten als in der freien Wirtschaft. Das ist die Domain wo Menschen mit einem Migrationshintergrund noch Karriere machen können. Und dort findet die weltoffene TAZ nur zwei (eine, da der andere ja schon bei der TAZ arbeitete) Leute, die sie einladen kann zu dem Thema. Was sagt uns das über unsere Gesellschaft? Auf der einen Seite die Nase rümpfen über die „88“ aber auf der anderen selber 77 zu 2 einladen. Bei den restlichen Gästen und Publikum hätte die Quote ja anders sein können. Nein, war nicht so. Es waren wirklich wenige MigrantenInnen und AusländerInnen Vorort. Wie die Ironie das will waren die ganzen Servicekräfte MigrantenInnen und AusländerInnen. Die Elite des aufgeklärten Bürgertums feiert sich und die TAZ zu klängen einer Band und lässt sich gerne von ihren MigrantenInnen und AusländerInnen (Servicekräften) bedienen. Oh köstlich wurde es, dass die Arbeiter aus Afrika den Müll nur rausgebracht haben und in der Küche gearbeitet haben. Das Gute ist keinem ist das Aufgefallen oder fand die Situation auffällig. Den es ist natürlich im eigenen Dunstkreis zu sein. Reden und schreiben kann man viel über Vielfalt, aber als erstes kümmert man sich doch lieber um die eigene Leute. Ich habe an dem Abend auch Ministerin Schavan darauf angesprochen, sie wusste auch keine Lösung und meinte wir müssten daran arbeiten. Von einer Ministerin habe ich natürlich auch wenig anderes erwartet, aber von der TAZ schon mehr.

Unser Rektor war natürlich auch Gast gewesen bei dem TAZ Geburtstag und auf dem Podium. Damit können wir eine Brücke schlagen, dass das Verhalten nicht untypisch ist. Hier an der RWTH gibt es auch diverse Programme für Erhöhung der Frauenquotte in Bereichen wo sie schwach ist. Die RWTH ist „Preisträgerin des Deutschen Diversity Preises 2011“ (Augenmerk liegt auf PreisträgerIN). Mir ist bis jetzt kein Projekt bekannt, der sich hier an der RWTH mit Diversity und MigrantenInnen beschäftigt. Das ist auch so schwer zu erheben, war bis jetzt die Aussage dazu. Geschlecht ist einfach fest zustellen, aber wer ist schon ein Migrant?; das ist doch schwer zu klären. Und die eigene Kusine, Bruder und Nichte sind auch keine Migranten, lieber die erstmals fördern um die anderen mit den schwarzen Haaren und Haut kümmern wir uns wenn der Druck groß genug wird.

 

 

Und das ist natürlich ein Bericht was meine Meinung wieder gibt und nicht die meines Arbeitgebers, die RWTH Aachen University und damit dem Land NRW und sicher auch der Bund irgendwie 😉 und in Zukunft wird sicher auch mehr Fakten erhoben. Eine gewisse Polemik ließ sich nicht vermeiden in dem Artikel, ich werde mich bessern.

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Latente Fremdenfeindlichkeit bei Freunden

Diesen Beitrag will ich schon sehr lange schreiben und nun ist es wirklich an der Zeit für mich. Ich möchte kurz schildern wie für mich sich Fremdenfeindlichkeit äußert bei Personen die von sich überzeugt sind, dass sie eigentlich doch gar nichts mit Fremdenfeindlichkeit oder Rechts zu tun haben.

Am besten beschreibe ich erst meine Umwelt und mich im Bezug zu dem Thema. Ich behaupte von mir ein sehr sehr gut integriert zu sein in Deutschland, obwohl ich wie viele andere nicht hier geboren bin. Von der Grundschule an (vorher war ich nicht in der BRD) habe ich quasi das gemacht was andere auch so machen in Deutschland. Schule, Abitur, Studium. OK, nicht alle sondern ich habe das gemacht was auch mein Umfeld zum größten Teil gemacht hat, in diesem Punkt bin ich sehr angepasst. Ich war sogar sehr engagiert in der evangelischen Gemeinde bei uns (habe sogar mal bei Weihnachts-Krippen-Spiel mitgemacht), habe mich in Sportvereine betätigt. Als Trainer war ich für mein Bundesland unterwegs und zwei Jahre im Vorstand von einem Basketball Verein und habe auch mal mich ins Studierendenparlament wählen lassen. Viele diese Dinge sind typisch deutsch und ich bin teilweise weiter gegangen als meine anderen Freunde mit meinen Aktivitäten.

Mein Freundeskreis, Bekannte und Berufskontakte sind überwiegend deutsche oder keine wie man hier sagt „Südländer“. Das hat sich irgendwie über die Jahr so ergeben, war eigentlich seit der Grundschule nicht viel anders gewesen. Die meisten dieser Menschen sind offenkundig nicht Rechts und weit davon entfernt. Sie regen sich zum größten Teil z.B. über Thilo Sarrazin auf und finden Neonazi Aufmärsche blöd. Nichts desto trotz kommen in ihren engen Freundeskreise kaum „Migranten“ vor. Der Franzose zählt hier für mich nicht zu den „Migranten“-Kreis. Grade männliche „Südländer“ tauchen in den Kreisen sehr selten auf und sind wenn nicht im engeren Freundeskreis von meinen deutschen Freunden. Mir fällt so spontan niemand außer mir auf. Ich habe natürlich auch Freundeskreise, die vorwiegend aus „Migranten“ und „Migrantinnen“ bestehen, da bin ich meist der Exot mit so all meinen deutschen sehr guten Freunden.

Es gibt tatsächlich für mich einen Sinn wieso das so ist. Das ist die „Latente Fremdenfeindlichkeit bei Freunden“. Hier geht es nicht um politisch unkorrekte Witze und scherze, da bin ich selbst ganz groß drin. Nein es geht um tatsächliche Fremdenfeindlichkeit oder Fremdenangst. Ich denke das Problem ist nicht, dass jemand das richtig Bewusst fühlt sondern einfach aus sich raus latent das Gefühl hat. Zwei Beispiele werde ich gleich nennen.

  1. Ich hatte mal eine Freundin, die mir irgendwann erzähle, dass in der Fußgängerzone immer mehr Läden schließen würden und in vielen diesen Läden jetzt Ausländer ihr Geschäft aufmachen würden. Es würde ein überhand nehmen in der Fußgängerzone und sie würde sich irgendwann wohl da nicht so wohl fühlen. Die deutschen Geschäftsbesitzer, die aus finanziellen Gründen ihre Geschäfte aufgaben, würden in ihren Augen irgendwie von den meist „südländischen“ Geschäftsleute vertrieben.
  2. Kürzlich war ich in einem Großraum Diskothek mit einem Freundeskreis. Dort gibt es vier, fünf Bereiche mit unterschiedlichen Musikrichtungen und Bars usw. Irgendwann wollte eine Freundin von einem Raum ins andere wechseln und Fragte mich und einen Freund ob wir in den anderen Raum möchten. Da sagt der Freund: “ Nein, auf gar kein Fall!! In dem anderen Raum sind nur Türken.“ Ich habe da nachgefragt noch mal, weil ich nicht sicher war was er mir da sagt. Die Antwort war dieselbe und er bahrte sehr stark drauf. (Nachtrag: In dem Raum waren nicht nur Türken, vielleicht mehr nicht deutsche als rein deutsche. Geschlechterverhältnis war auch wie in den anderen Räumen.)

Für mich ist das latente Fremdenfeindlichkeit. Direkt angesprochen würde beide Personen sich von diesem distanzieren, aber sie fühlen anders. Problem für mich ist, dass sie in dem Moment mit mir sprechen, aber nicht realisieren, dass sie quasi über mich sprechen irgendwie (auch wenn ich nicht ein Türke bin). Ich könnte genauso gut in dem anderen Raum gestanden haben und er hätte diese negativen Gefühle mir gegenüber gehabt. Das nur weil ich entsprechend aussehe. Und tatsächlich hatte jemand aus meiner Familie in der Fußgängerzone einen Blumenladen eröffnet. Für mich heißt es die Freunde akzeptieren mich, aber nicht den Rest von mir, Freunde und Familie und irgendwann vielleicht meine Kinder. Das ist ein riesiges Problem. Irgendwo habe ich aufgeschnappt, dass das Problem „Eingrenzung“ heiß. Also das Gegenteil von Ausgrenzung. Meine Freunde grenzen mich ein, damit werde ich für sie zum Deutschen und nicht mehr Fremden, damit können sie die anderen „guten Gewissens“ ausgrenzen. Es wäre schwer die „guten Ausländer“ auch als solche zu sehen, denn dann müsste man seine Weltanschauung überdenken und die Schubladen müssten neu sortiert werden. So wird Komplet ein Teil der Identität weg geblendet. Das meine Freunde und Freundinnen irgendwie oder irgendwo das her haben und so geprägt wurden ist mir klar. Die Frage die ich mir stelle ist, wie geht man damit um? Ich verstehe die Leute die irgendwann resigniert haben und gesagt haben, sie suchen ihre engeren Freunde bei „nicht deutschen“ oder Klicken wo die Mischung „ausgewogener“ ist. Ist das aber eine Lösung für unsere Gesellschaft?

Gender Gerechte Sprache

„Gender Gerechte Sprache in Paper anzustreichen macht mich nicht beliebt bei den Kollegen. Die Kollegin achtet selbst gut drauf :-)“ ist ein Tweet den ich gestern gepostet habe. Davor und danach gab es Kommentare und Fragen zu dem Thema. Zuerst ist für mich Gender Gerechte Sprache, die Art Sprache zu nutzen, dass Frau und Mann in gleichermaßen berücksichtigt werden. Beispiele hierfür sind: Statt der Schüler -> die Schülerinnen und der Schüler; der Arzt -> die Ärztin oder der Arzt; Studenten -> Studierende/ Studentinnen und Studenten. usw.

Natürlich sollte man beides benutzen, wenn auch beide Gruppen gemeint sind. Ich erwische mich selbst, dass wenn ich auch jetzt nur von männlichen Studierenden spreche nicht Studenten schreibe, sondern Studierende. Die Nennung von beiden Geschlechtsformen gefällt sehr vielen Leuten nicht, da es die Lesbarkeit erschwert und die Ästhetik des Textes gestört wird. Sie berufen sich auf den generischen Maskulin. Jeder weiß, dass ich kein großes Sprachtalent bin, aber ich finde die genannten Gründe für keine Gender-Gerechte Sprache nicht überzeugend. Es bringt auch herzlich wenig, am Anfang eines Textes zu schreiben, dass man aus Gründen der Lesbarkeit den generischen Maskulin nutzt, statt die Doppelform. Hingegen bin ich davon überzeugt, dass die Nutzung von Gender-Gerechter Sprache zu Verhaltensänderung führt. So dass z.B. Berufe die Häufig von Männern ausgeübt werden auch mit der Zeit auch mit Frauen assoziiert werden. Polizist! Das ruft bei den meisten ein mentales Bild eines Polizisten auf und in den wenigsten Fällen dass einer Polizistin, außer vielleicht im Strip-Club. Polizist und Polizistin vermeidet das Bilden von einfachen Mentalen Modellen und Bildern.

Die Anwendung von Gender-Gerechter Sprache hat ein paar Tücken wie man hier an einem kleinen Beispiel lesen kann: Life, Language and E-Verything: A trap! Das Problem in dem Beispiel ist, dass auf einem Formular „Unterschrift des Studierenden“ stand. Es war sicher nett gemeint Studierende zu schreiben, aber mit dem Artikel davor wurde es doch männlich. An dieser Stelle wäre das ausschreiben beider Geschlechter von Vorteil gewesen.

Dinge die ich übertrieben finde sind z.B. bei Abkürzungen wie Profs, Studies usw. auch eine weibliche Form zu bilden. An dieser Stelle bin ich mir nicht sicher, ob es eine Auswirkung auf Mentale Bilder hat, wenn ich Abkürzungen verdopple, denn bei die Studierenden habe ich auch eine Form. Ein anderes ist aus Mannschaft Frauschaft zu machen. Bei Mannschaft, welches sicher Historisch aus Mann-schaft gewachsen ist, habe ich persönlich nicht das Mann im Vordergrund, für mich gibt es genauso wohl Basketball Frauen Mannschaften. Ich könnte es genauso gut Team nennen in diesem Fall, welches keinen Unterschied machen würde. Die Bildung beider Formen, bei Menschen die klar ein Geschlecht haben oder Berufe die Historisch in Ihrem Kontext nur von einem Geschlecht ausgeübt wurden. Ein Beispiel ist Papst oder Ritter im Mittelalter oder Imame usw.

Etwas was ich unfair finde ist, dass soweit ich es recherchiert habe noch keine Frau bei der KVB (Kölner Verkehrsbetriebe) Beschwerde eingelegt hat, dass dort nur vor Taschendieben gewarnt wird und nicht von Taschendiebinnen und Taschendieben. In U-Bahnen, Weihnachtsmärkten, Bahnhöfe usw. gibt es durchaus Taschendiebinnen. Deren Quote ist sicher auch besser als die der Professorinnen. Das ist sicher eine doppelmoralische Geschichte, bei den positiven Personen auf Gender-Gerechte Sprache zu pochen, aber bei negativen nicht. Serienkiller, Kinderschänder, Betrüger, Vergewaltiger, Schläger, Drogendealer, Sitzenbleiber usw. sind sicher Dinge die häufig bei Männern vorkommen, aber auch Frauen gibt es in diesen Bereichen. Vielleicht fördert diese reine männliche Besetzung bei einigen Begriffen zu einem kleinen Teil, dass „Jungs“ in diese Nischen fallen. Dieses ist sicher eine soziologische Frage die ich hier nicht erörtern kann.

Going Diverse 2009 oder Wo ist Diverse?

Am Donnerstag und Freitag (29/30 10) hat die Going Diverse 2009 stattgefunden in Aachen. Die Going Diverse ist eine internationale Konferenz über Gender & Diversity. Die Austragung fand von der RWTH Aachen University her statt. An dieser Stelle ein großen Dank an das Team des Integration Teams der RWTH Aachen, die so gut organisierte Konferenz auf die Beine gestellt haben.

Auf der Konferenz waren eine Kollegin, ein Kollege und ich mit einem Poster-Vorstellung vertreten, das Poster werde ich sicher in kürze online stellen für jeden den es interessiert mit unserem Beitrag zum Poster.

Die Konferenz war sehr interessant, nicht nur von den Beiträgen sondern von den Gesprächen die ich geführt habe und Beobachtungen die ich gemacht habe. Direkt bei der Begrüßung und während der ersten Keynote ist mir aufgefallen, dass die Frauenquote bei über 90% lag. Es waren mehr als 120 Damen anwesend und ca. 10 Männer. Dieses soll nicht großes Thema dieses Beitrags sein, aber ich habe etwas nachgehorcht und einige der Genderexpertinnen auf dieses angesprochen. Ich hörte, dass die Quote hier sogar sehr gut ist. Auf anderen Gender & Diversity Tagungen und Konferenzen wäre sie wesentlich schlechter. Die Begründung warum das so ist, war auch überraschend einfach: Männer interessieren sich nicht für das Thema. Männern geht es ja gut in der Gesellschaft, daher sehen sie keine Notwendigkeit auf diese Veranstaltungen zu kommen und Teil der Gender & Diversity Community zu werden. Ich bin sehr froh, dass die Bemühungen mehr Diversität in den MINT (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) Bereich zubringen sich nicht mit ähnlich einfachen Thesen abgeben. An dieser Stelle muss ich klar stellen, dass die MINT-Fächer aktiv sind in Richtung Diversity zum größten Teil der Verdienst der Frauen, die auf der Going Diverse waren ist. Wie gesagt die Geschlechter-Ausgeglichenheit auf der Going Diverse soll nicht das Thema hier sein, den dafür gibt es ja eine Antwort.

Eine viel komplexere Geschichte und mich noch mehr erschreckende Feststellung ist, der Diversity Aspekt unter den Frauen selbst! Note: ich habe ein Phänomen subjektiv beobachtet und andere Teilnehmende auf dieses Angesprochen. Ich habe keine wissenschaftliche Studie gemacht. Nichts desto trotz sehe ich in den Beobachtungen einen Ansatzpunkt, an dem die Gender & Diversity Community arbeiten sollte.

Die über 90% Frauen die an dieser Veranstaltung Teilgenommen haben bilden eine sehr homogene Gruppe. Dieses wurde von den vor allem erfahreneren Gender Expertinnen nicht so empfunden. Wenn ich diese fragte, ob die Frauen in der Fußgängerzone irgendwie dieselbe Homogenität aufweisen, wurde mir entgegnet, dass sei eine Wissenschaftliche Veranstaltung und dass sei halt eine andere Gruppe als die Frauen in der Fußgängerzone. Dann musste ich erwähnen, dass sogar die Universität eine andere diversität aufweist, ich bekam dasselbe Argument zurück. Mein Vorschlag einer Öffnung nach außen, um mehr Diversity einzubringen, wurde mit jeder kann doch kommen und niemand ist ausgeschlossen begegnet. Ach ja an dieser Stelle wurde wieder das Argument, es sein eine wissenschaftliche Konferenz und es hat seinen Rahmen, gebracht. Hier soll sich ausgetauscht werden; Ideen und Richtungen erkannt werden. Das ist ein Moment gewesen, wo ich sehr inne halten musste; und mich fragte ob sich die Leute selbst reden hören. Diese Ausreden werden seit Jahren kritisiert an Anderen, ich halte diese Argumentationskette für sehr schwach. Es gab auch die Einsicht, dass unser Bildungssystem und seine Durchlässigkeit schuld sei dran, dass so wenig diversität herrscht unter den Frauen. Ausreden finden ist sehr einfach! Ich bin nirgendwo auf Verständnis und die Bereitschaft gestoßen, dass etwas verändert werden sollte. Die Teilnehmerinnen in meinem Alter waren zum Glück meiner Meinung. Ein Dialog in der deutschen Gender und Diversity Community ist nötig. Es geht wie immer um Verlust von Einfluss, Veränderung der eigenen Ideologie und Richtungswechsel. Diese Dinge machen nicht nur Männern Angst.

International scheint, dass Problem nicht so in der Form zu existieren. Die Vortragenden aus Frankreich, USA, UK usw. erwähnten dass Gender und Diversity bei Ihnen nicht nur Gender ist, wie das klarer Schwerpunkt in Deutschland ist. Irritierend ist, dass eine in Deutschland studierte Doktorandin türkische Abstammung für ihre Forschung ins Ausland gegangen ist, um dort über Diversity in Deutschland ihre Promotion zu schreiben. Mir wurde von anderen Bestätigt, dass das Bild von der Going Diverse 2009 auf allen von ihnen besuchten Gender und Diversity Konferenzen gleich ist.

Ein interessanter Punkt ist, wieso haben andere Ländern, die eher Diversity Politik haben mit einer starken Fasste Gender, eine bessere Frauenquoten als hier in Deutschland. Meine These: Mehr Diversity führt zu mehr Erfolg auch im Bereich Gender. Wenn in einem Team nicht nur deutschstämmige Männer aus der Bildungs- und Oberschicht sind die auf Fußball stehen, ergeben sich ganz andere Strukturen an denen auch Frauen andocken können. Das Geschlecht ist nur eine Fasste von uns. Falls ein Mann aus Pakistan und einer aus Senegal im Team sind, spricht man auch beim SmallTalk auch nicht mehr nur über Fußball. Für Männer aus Pakistan ist z.B. Work-Life-Balance eine Thema; Abends Zeit für die Familie haben. Diversity ist Vielfalt in jeder Richtung. Ich möchte gerne Vielfalt gefördert sehen und nicht nur die „deutschstämmige Frau aus der Bildungs- und Oberschicht, die sich gerne für Umweltschutz einsetzt und Hip-Hop und House nicht mag“.

Man kann hier auch Kommentieren, für die die noch nicht auf einem Blog waren. Ich würde sehr gern lesen, dass ich unrecht habe und dass es nicht so ist wie ich es hier beschreibe, denn dann hätten wir wohl Diversity.

Gender and no Diversity

Ich beschäftige mich seit längerem mit Gender und Diversity. Speziell an der RWTH Aachen University mit seinen Studierenden. Der größte Teil meines Interesses liegt in meinem Freizeitbereich, obwohl wir in unserer Forschungsgruppe den Schwerpunkt Gender und Diversity haben. Leider wird im Schwerpunkt nur der Aspekt „Gender“ betrachtet und „Diversity“ vernachlässigt. Das ist ein Thema für sich und wird später ein Mal in einem Beitrag behandelt werden.

An de RWTH Aachen University gibt es immer mehr eine Wandlung zu mehr Vielfalt. Es gibt das Integration Team, ein Lehrstuhl für Gender-Studies, verschiedene Förderprogramme für Frauen und ein kleinen Forschungsschwerpunkt im Excelence Cluster (wovon ich auch ein Teil bin). Neben den Förderprogrammen der der Universität gibt es noch Zahlreiche von der Wirtschaft geförderte Programme.

Bei all den Bemühungen und Forschungsprojekten ist mir etwas Negatives aufgefallen. Ich will nur den Augenmerk auf diesen Punkt lenken und hören wie es andere so sehen.

Meine These: Mit den meisten Programmen werden nur die Töchter, Schwestern und Cousinen von den Männern effektiv gefördert, die momentan an wichtigen Positionen sind. Nur für eine Bestimmte Gruppe (Schicht) öffnen sich somit die Türen, und damit ist Diversity kaum in der Gender-Förderung und Forschung gegeben.

Wie komme ich dazu so etwas zu behaupten? In den letzten Jahren habe ich mit einigen Frauen Gespräche zu dem Thema geführt. Vor allem mit Freundinnen denen ich vorgeschlagen habe an Förder-Programmen teilzunehmen. Viele ihrer Reaktionen haben mich sehr überrascht. Diese Freundinnen waren/sind Studentinnen und Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen in MINT-Fächer an der RWTH Aachen. Meine Stichprobe ist nicht viel besser oder schlechter als viele andere viel zitierte und vorgezeigte Studien. Leider musste ich bei vielen Studien fest stellen, dass 20 Studentinnen oder 15 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen befragt wurden und die Ergebnisse wurden sehr verallgemeinernd dargestellt. Dieses will ich hier nicht tun sondern ein paar Beispiele erst einmal aus meinen Gesprächen nennen.

Beispiele:

Freundin 1 erzählte mir auf meine Nachfrage wieso an einem bestimmten Programm teilnimmt: „Och, ich passe da nicht so rein. Die Mädels da sind anders, mein Vater arbeitet beim Autohersteller xyz am Fließband. Die anderen Väter waren alle irgendwo im Management. Ich habe mich nicht so wohl gefühlt, denke nicht, dass das Programm etwas für mich ist oder ich die richtige dafür bin.“

Freundin 2 zu einem anderen Programm: “ Ich habe eine Ausbildung gemacht vorher und naja ich bin nicht so gut im Studium wie die anderen Mädels dort. Die haben alle ganz andere Sorgen als ich“ und wieder die Aussage ich passe da nicht so gut rein.

Freundin 3 meinte, dass sie ihren Freund heiraten will und auch Kinder haben will. Mit der Einstellung kommt sie bei den anderen Mädels nicht so gut an, dass sie unbedingt Familie will, aber halbtags arbeiten oder später noch einmal nach dem Studium einsteigen möchte. So hat sie aufgehört zu den Treffen von ihrer Fördergruppe zu gehen.

Von diesen Gesprächen gab es noch einige. Das wichtige ist, dass grade die Dinge die von diesen Mädels bemängelt werden, den Zielen der Förderprogramme entsprechen. Vereinbarkeit von Familie und Beruf, allen dieselben Chancen geben usw. Leider ist es nicht so.

Ich nehme an das liegt an der Struktur der Programme an der RWTH Aachen. Gerade die RWTH ist nicht die vielfältigste Uni und die „Macher“ der Programme sind nicht an Vielfalt interessiert. Nehmen wir z.B. Prof. Schuh (Top Professor für Werkzeug Maschinen und Mitglied des Rektorats), der mit einer Ingenieurin verheiratet ist und eine Tochter hat; dieser hat ein Interesse daran, dass einiges besser wird für seine Tochter. Die anderen Fördernden aus der Wirtschaft die ich kennen gelernt habe, hatten oftmals dasselbe Motiv: die Zukunft ihrer Töchter. So erfahren gerade die Bekannten und Familien von diesen als erstes von den Programmen und werden auch aktiv immer ermutig an diesen Teilzunehmen. Dazu kommt noch, wenn der Papi oder der Onkel Förderer sind, dann geht einiges leichter. Die Mädels, die dann in den Programmen landen, nehmen ihre Freundinnen mit, welche wohl auch aus demselben Garten stammen, denn der Apfel fällt ja nicht weit vom Stamm. Das heißt in den Stall kommen jetzt neben den Hengsten mit demselben Stallgeruch die Stuten mit demselben Stallgeruch. Ich verstehe das nicht als Vielfalt.

Ich finde es nur allzu natürlich, dass die Menschen so handeln. Ich setze mich für das Thema Vielfalt auch nur ein, damit meine Nichte und mein Neffe dieselben Chancen bekommen wie andere. Ich will daher Niemand einen Vorwurf für sein Handeln machen. Nur sollte man so ehrlich sein und dieses auch so darstellen. Es gibt Fortschritte, aber längst nicht die großen und vielfältigen wie sie immer verkauft werden. Chancen Gleichheit ist an der RWTH Aachen und an einigen anderen Stellen noch lange nicht gegeben.

Auf Diversity allgemein werde ich noch einmal extra in den nächsten Tagen eingehen.

Ich freue mich über Deine Meinung in den Kommentaren. Zum Schluss eine Klarstellung: Der Beitrag gibt meine persönliche Freizeitmeinung wieder. Ich spreche nicht für die RWTH Aachen University und auch nicht für das Lehr- und Forschungsgebiert Informatik 9 und ebenso nicht für die Gender und Diversity-Stipendiaten der RWTH Aachen University.