Going Diverse 2009 oder Wo ist Diverse?

Am Donnerstag und Freitag (29/30 10) hat die Going Diverse 2009 stattgefunden in Aachen. Die Going Diverse ist eine internationale Konferenz über Gender & Diversity. Die Austragung fand von der RWTH Aachen University her statt. An dieser Stelle ein großen Dank an das Team des Integration Teams der RWTH Aachen, die so gut organisierte Konferenz auf die Beine gestellt haben.

Auf der Konferenz waren eine Kollegin, ein Kollege und ich mit einem Poster-Vorstellung vertreten, das Poster werde ich sicher in kürze online stellen für jeden den es interessiert mit unserem Beitrag zum Poster.

Die Konferenz war sehr interessant, nicht nur von den Beiträgen sondern von den Gesprächen die ich geführt habe und Beobachtungen die ich gemacht habe. Direkt bei der Begrüßung und während der ersten Keynote ist mir aufgefallen, dass die Frauenquote bei über 90% lag. Es waren mehr als 120 Damen anwesend und ca. 10 Männer. Dieses soll nicht großes Thema dieses Beitrags sein, aber ich habe etwas nachgehorcht und einige der Genderexpertinnen auf dieses angesprochen. Ich hörte, dass die Quote hier sogar sehr gut ist. Auf anderen Gender & Diversity Tagungen und Konferenzen wäre sie wesentlich schlechter. Die Begründung warum das so ist, war auch überraschend einfach: Männer interessieren sich nicht für das Thema. Männern geht es ja gut in der Gesellschaft, daher sehen sie keine Notwendigkeit auf diese Veranstaltungen zu kommen und Teil der Gender & Diversity Community zu werden. Ich bin sehr froh, dass die Bemühungen mehr Diversität in den MINT (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) Bereich zubringen sich nicht mit ähnlich einfachen Thesen abgeben. An dieser Stelle muss ich klar stellen, dass die MINT-Fächer aktiv sind in Richtung Diversity zum größten Teil der Verdienst der Frauen, die auf der Going Diverse waren ist. Wie gesagt die Geschlechter-Ausgeglichenheit auf der Going Diverse soll nicht das Thema hier sein, den dafür gibt es ja eine Antwort.

Eine viel komplexere Geschichte und mich noch mehr erschreckende Feststellung ist, der Diversity Aspekt unter den Frauen selbst! Note: ich habe ein Phänomen subjektiv beobachtet und andere Teilnehmende auf dieses Angesprochen. Ich habe keine wissenschaftliche Studie gemacht. Nichts desto trotz sehe ich in den Beobachtungen einen Ansatzpunkt, an dem die Gender & Diversity Community arbeiten sollte.

Die über 90% Frauen die an dieser Veranstaltung Teilgenommen haben bilden eine sehr homogene Gruppe. Dieses wurde von den vor allem erfahreneren Gender Expertinnen nicht so empfunden. Wenn ich diese fragte, ob die Frauen in der Fußgängerzone irgendwie dieselbe Homogenität aufweisen, wurde mir entgegnet, dass sei eine Wissenschaftliche Veranstaltung und dass sei halt eine andere Gruppe als die Frauen in der Fußgängerzone. Dann musste ich erwähnen, dass sogar die Universität eine andere diversität aufweist, ich bekam dasselbe Argument zurück. Mein Vorschlag einer Öffnung nach außen, um mehr Diversity einzubringen, wurde mit jeder kann doch kommen und niemand ist ausgeschlossen begegnet. Ach ja an dieser Stelle wurde wieder das Argument, es sein eine wissenschaftliche Konferenz und es hat seinen Rahmen, gebracht. Hier soll sich ausgetauscht werden; Ideen und Richtungen erkannt werden. Das ist ein Moment gewesen, wo ich sehr inne halten musste; und mich fragte ob sich die Leute selbst reden hören. Diese Ausreden werden seit Jahren kritisiert an Anderen, ich halte diese Argumentationskette für sehr schwach. Es gab auch die Einsicht, dass unser Bildungssystem und seine Durchlässigkeit schuld sei dran, dass so wenig diversität herrscht unter den Frauen. Ausreden finden ist sehr einfach! Ich bin nirgendwo auf Verständnis und die Bereitschaft gestoßen, dass etwas verändert werden sollte. Die Teilnehmerinnen in meinem Alter waren zum Glück meiner Meinung. Ein Dialog in der deutschen Gender und Diversity Community ist nötig. Es geht wie immer um Verlust von Einfluss, Veränderung der eigenen Ideologie und Richtungswechsel. Diese Dinge machen nicht nur Männern Angst.

International scheint, dass Problem nicht so in der Form zu existieren. Die Vortragenden aus Frankreich, USA, UK usw. erwähnten dass Gender und Diversity bei Ihnen nicht nur Gender ist, wie das klarer Schwerpunkt in Deutschland ist. Irritierend ist, dass eine in Deutschland studierte Doktorandin türkische Abstammung für ihre Forschung ins Ausland gegangen ist, um dort über Diversity in Deutschland ihre Promotion zu schreiben. Mir wurde von anderen Bestätigt, dass das Bild von der Going Diverse 2009 auf allen von ihnen besuchten Gender und Diversity Konferenzen gleich ist.

Ein interessanter Punkt ist, wieso haben andere Ländern, die eher Diversity Politik haben mit einer starken Fasste Gender, eine bessere Frauenquoten als hier in Deutschland. Meine These: Mehr Diversity führt zu mehr Erfolg auch im Bereich Gender. Wenn in einem Team nicht nur deutschstämmige Männer aus der Bildungs- und Oberschicht sind die auf Fußball stehen, ergeben sich ganz andere Strukturen an denen auch Frauen andocken können. Das Geschlecht ist nur eine Fasste von uns. Falls ein Mann aus Pakistan und einer aus Senegal im Team sind, spricht man auch beim SmallTalk auch nicht mehr nur über Fußball. Für Männer aus Pakistan ist z.B. Work-Life-Balance eine Thema; Abends Zeit für die Familie haben. Diversity ist Vielfalt in jeder Richtung. Ich möchte gerne Vielfalt gefördert sehen und nicht nur die „deutschstämmige Frau aus der Bildungs- und Oberschicht, die sich gerne für Umweltschutz einsetzt und Hip-Hop und House nicht mag“.

Man kann hier auch Kommentieren, für die die noch nicht auf einem Blog waren. Ich würde sehr gern lesen, dass ich unrecht habe und dass es nicht so ist wie ich es hier beschreibe, denn dann hätten wir wohl Diversity.

Ein Gedanke zu “Going Diverse 2009 oder Wo ist Diverse?

  1. Wenn ich meine Gender-Konferenz-Besuche mir ins Gedächtnis rufe, erkenne ich viele der Beobachtungen wieder. Das sich gerade auf Spezial-Konferenzen homogene Gruppen bilden, halte ich für normal, aber gerade im Sinne der Diversität und der Forschung auf diesem Gebiet, sollte mit diesem Phänomen offen umgegangen werden.
    Häufig wird aber bei Kritik an neueren Disziplinen eine Verteidigungshaltung eingenommen, die eine Reflexion auf die eigene Situation in der Disziplin stark erschwert.

    In diesem Sinne würde ich eine öffentliche Diskussion zu diesem Thema sehr begrüßen.

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