GZSE: das Selbst und die Motivation

Am letzten Dienstag (18.05.2009) habe ich in meiner Übung wieder versucht die Neuron Prinzipien anzuwenden. Dieses Mal waren wir in einem kleinerem Seminarraum bei uns auf der Hörn. Die Studierenden wurden aufgefordert die Tische umzusetzen und sich im Kreis zusetzen. Es gab ein kurzes Rumoren bei ein paar Studies, aber schnell wurde dann der Raum umgestaltet.

Die Studierende hatten sich in der Woche mit Benutzeranforderungen und verschiedene UML Notationen für Use Cases beschäftigt. Sie arbeiten weiter an ihrem MoBlogging Tool fürs Android. Mein Schwerpunkt für diese Stunde war neben dem Standard Inhalt, Selbstvertrauen und Motivation der Studies.

Am selben Morgen twitterte zufällig auch Christian Spannagel: „Lehr-Erkenntnis des letzten Jahres: Kümmere dich immer zuerst um das Selbst und um die Motivation der Lernenden. Dann erst um die Kognition.“

Am Anfang gab es von mir ein kurzes Feedback zu den Übungsabgaben die am Morgen gemacht worden waren. Jetzt war der Punkt Motivation dran. Ich denke dass Studierende dann motiviert sind etwas zu lernen und Zeit zu investieren, wenn sie wissen wofür sie es brauchen. So habe ich erst einmal gefragt, ob sie schon wüssten was sie später machen werden als Technik-Kommunikatoren und ob dieses schon einmal mit ihnen irgendwo thematisiert wurde. Es stellte sich heraus, dass noch niemand den Studierenden aus dem zweiten Semester und auch den in höheren Semester irgendwie besprochen hat. Ganz am Anfang hat wohl ein netter Professor gesagt, dass die Studies später Gebrauchsanleitungen schreiben werden. Diese Aussage ist mit das unproduktivste was ein Professor oder Professorin sagen kann. Damit nimmt man jede Lust und Motivation den Studierenden selbst aktiv zu werden.

Da nicht ganz klar war was man in Zukunft macht als Tkler und Tklerin (was ich mir schon gedacht hatte) bekamen die Studies die Aufgabe zusammen zutragen was sie gerne später machen würden. Eine Studentin ist an die Tafel gegangen um die Stichpunkte aufzuschreiben. Es war dieselbe Studentin die auch das letzte mal es gemacht hat. Ich muss feststellen es gibt eine Scheu an die Tafel zu gehen leider, da hilft nicht das gute zureden. So sammelten die Studierenden ihre Berufswünsche an der Tafel und diskutierten etwas wie man welche Tätigkeiten unter einem Begriff packen kann. Es kamen recht realistische Berufe und Tätigkeiten bei rum. Ich hätte mir noch ein paar extravakante Jobs gewünscht, aber dafür ist die Scheu in der Gruppe zu groß gewesen. Der Studi der gern Surflehrer werden würde hat es doch eher, als es um an die Tafel anschreiben ging, den Beitrag zurück gezogen.

Nicht alle Berufe waren den anderen Mitstudierenden klar, so gab es eine kleine Erklärungsrunde zu den Jobs. Ach ja, als ich fragte, ob den alle die angeschriebenen Jobs kennen gab es kein Wiederspruch von den Studies. Nur mit der Aufforderung, dass ich jetzt mal jeden fragen kann und eine Antwort bekomme, hieß es Erklärungen wären nicht schlecht. Es ist wirklich schwer eine Atmosphäre zu schaffen, dass man Fehler oder Unwissen zugeben kann. Nun haben einige Studierende die von ihnen genannten Tätigkeiten erklärt. Hier war es schwer dem Erzähler immer klar zu machen nicht mich anzuschauen, der außerhalb des Kreises irgendwo saß, sondern seinen Kommilitonen und Kommilitoninnen.

Nun ging es daran heraus zu finden welche Fähigkeiten jemand in diesen Berufen haben muss. Hier waren die zwei großen Punkte hohe Sprachliche Kompetenz und Fachkompetenz in dem technischen Feld, indem man arbeitet. Hier wurden unter Punkte genannt und viel diskutiert über die Kompetenzen und ihre Wichtigkeit. Hier schloss sich auch der Kreis zu der aktuell abgegebenen Übung und meinem Feedback. Hier sollte den Studierenden klar werden, dass Ausdruck und Form wichtig sind für die Notation der Anforderungen an einer Software und die dass die Studies in dem jeweiligen Gebiet ihre Fachkompetenz selbständig erhöhen müssen. Ich hätte mir auch den Mundfusselig reden können, dass bestimmte Kompetenzen wichtig sind und sie in den Übungen drauf achten müssen und niemand hätte es wirklich geglaubt oder um gesetzt. Durch die eigene Herleitung der Studierende wurde es ihnen wesentlich klarer was mein Feedback am Anfang der Stunde zu bedeuten hatte. Sie haben so selbst den Maßstab an Ansprüche an ihre Arbeit gelegt indem sie in den Diskussionen z.B. ein hohe sprachliche Fähigkeit und Genauigkeit verlangt haben.

Die nächsten 45 Minuten ging es um die Anforderungen an das MoBlogging Tool. Sie sollten die Schritte durchgehen die man braucht bis man ein Foto/Beitrag postet. Die Aufgabe wurde von allen in der Übung schon bearbeitet. Das Ergebnis war besser als gedacht J Am Anfang wollte niemand so recht Anfangen mit dem reden, dann aber ging es los. Mit Diskussion und Wiederspruch. Nach 15 oder 20 Minuten waren die Studierenden immer noch beim Anmelden Passwort eingeben und Einschalten, was die ersten Schritte sind. Das ganze ging auch noch 10 bis 15 Minuten weiter so mit ein paar Tipps von mir zur Technik und Anforderungen. In diesem Abschnitt wurde den Studierenden klar, dass Anforderungen nicht einfach zu erheben sind auch wenn man sich damit lange Beschäftigt hat. Die Antworten des Kundens (ich in diesem Fall) verschiedenen interpretiert werden können und zu unterschiedliche Lösungen führen. Daneben haben einige eingesehen, dass das Fachwissen auf dem Gebiet des MoBloggings, Web20 usw. noch nicht ausreichend ist. Was dazu führte, dass sie mehrheitlich bereit sind eine extra Vorlesung zuhören um ihr Fachwissen zu verbessern.

Meine Erkenntnisse aus der Stunde waren, dass einiges noch falsch läuft an der Uni. Die Studierende werde bis lang nicht zur Selbständigkeit und Neugierde ausgebildet. In vielen zwischen Kommentaren kam raus, dass einige sich z.B. das Programmieren nicht zutrauen, weil grade das von Außen so an sie herangetragen wird. Das von oben herab einiger Professoren und Professorinnen grade zu Studierende die ein Misch-Studiengang haben ist vollkommen unnötig. Hier spielen auch die Assistenten und Assistentinnen eine Rolle, die Vorlesungen betreuen. Daneben habe ich festgestellt, dass nicht alle sich trauen zusprechen auch wenn man sagt, es ist OK ihr könnt auch Fehler machen. Ein Student der immer wieder gute Beiträge hatte, aber diese nur seinem Nachbarn flüsterte, meinte er hielte diese Beiträge nicht für wichtig und unerheblich. An dieser Stelle habe ich erklärt, dass eine dieses egal sein sollte. Auch Fehler helfen weiter und man kann nichts Dummes sagen. Viele gute Dinge sind entstanden aus Ideen die erst einmal banal oder quer wirkten. Daraus ist entstanden: „aus egal wird genial“

8 Gedanken zu “GZSE: das Selbst und die Motivation

    • @jayomat Ich hoffe die mühe kommt bei den Studies die drin sitzen auch gut an. Also dass es Spaß macht und etwas gelernt wird. Ich werde mein bestes für die weiteren Stunden geben🙂

  1. Typische Reaktion bei Informatik-Professoren zu TKlern in der Veranstaltung (aus eigener Erfahrung): „So, wen haben wir noch hier?“ „Technik-Kommunikation.“ (In der Regel bekommen Sie noch nichtmal diesen furchtbar „komplizierten“ Namen zusammen…). „Was ist das denn? Bedienungsanleitungen schreiben…“ rutscht ihnen dann zwecks Unkenntnis vielleicht noch raus. Scheinbar färbt das leider auch noch auf die Studierenden selbst ab.

    Alternative ist eine unterschwellig herablassende Bemerkung oder ein leicht überhebliches Grinsen nach dem Motto: „Für Informatik pur hat es wohl nicht gereicht.“ Der Gedanke, dass TK-Studierenden den Studiengang nicht wählen, weil sie beide Fächer nur „halb könnten“, sondern weil sie sich gerade für mehr als eine Disziplin interessieren, der kommt vielen in den höheren Technik-Weihen gar nicht. Dabei machen viele Informatik-Veranstaltungen nach 5 Minuten schön deutlich, wozu TK gebraucht wird.🙂

    Ausnahmen sind nur an wenigen Lehrstühlen zu finden, die selbst interdisziplinär(er) denken/arbeiten. Es scheint mit der Zeit besser zu werden. Glückwunsch an den Lehrstuhl zur Veranstaltung in diesem Blogeintrag. Das ist (noch eher) eine Seltenheit und hört sich gut an. Weiter so!

    Auf der anderen Seite (den Geisteswissenschaften) gibt es auch viele Vertreter, die ähnlich abfällig auf die profane Technik blicken oder denen TKler mit ihrem Technik-Background ein bisschen suspekt sind.

    TKler pendeln immer zwischen zwei Welten, die in weiten Teilen noch nichts voneinander wissen wollen. Das macht die Sache im Unileben nicht immer einfach, aber spannend/ interessant. Sollte es im Allgemeinen viel mehr geben, solche Studiengänge.

    • @Daniel Danke für Dein Kommentar, dieser ist sehr motivierend. Das Thema Interdisziplinarität ist sehr gut in diesem Zusammenhang. Es wird viel davon geredet an der Uni, aber selten umgesetzt. An vielen Stellen hapert es am Respekt gegenüber den anderen Disziplinen. Dieses Verhalten der Professorinnen und Professoren und deren wiss. Mitarbeitenden pflanzt sich dann bei ihren Studierenden weiter fort. Na, aber wie Du sagst es wird besser🙂

  2. Ich habe zwar an der TU Dresden studiert, aber auch so ein Mischstudiengang, mit dem viele nix anfangen können (Medieninformatik).

    Schön, das Ganze aus der Perspektive der Mitarbeiter zu sehen. Genau die gleichen Reibungspunkte gab es bei uns auch. Ich hatte auch oft das Gefühl, weder von der einen Seite (inf) noch von der anderen (Gestaltung, Psychologie, etc.) so richtig für voll genommen zu werden. Die Sache mit dem Programmieren kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.😉

    Die Mischmaschstudiengänge nehmen idR auch genug Informatik mit, so dass das vermeintliche „Light“ auch nicht soo leicht ist.

    Danke für diesen Beitrag (*Feed abbonier*) und jetzt gehe ich googlen, was TK ist. Davon hatte ich nämlich noch nichts gehört.

    • @Nia Ich habe Informatik studiert mit Nebenfach Psycho (an RWTH Aachen). Dieses macht bei uns 25% des Studiums dann aus. Zum Glück, hatte ich nur Probleme mit den Psychos am Anfang, weil diese dachten Informatik-Studierende lernen 9 Semester nur Programmierung und sind zu keinem anderen Tätigkeiten fähig. Zum Glück hat sich dieses geändert. Vor allem durch gemeinsame Forschungsprojekte. Leider ist jetzt das Nebenfach Psychologie nicht mehr wählbar, weil die Psychos keine Kapazitäten haben. Dieses ist sicher ein Rückschlag für dieses Fachgebiet.

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