Prof. Kruse im Interview bei Scope: eine qualitative Bewertung

Ich gebe mal eine qualitative Bewertung zu Prof. Dr. Peter Kruse. Ich will hier kein Wiki Eintrag zu Ihm schreiben. Ich habe ein Interview von 70 min auf Scope mit ihm gesehen. Meine Bewertung bezieht sich auf die Äußerungen aus diesem Interview. Ich hoffe Prof. Kruse ist nicht böse wegen der Bewertung. Das Wort „Bewertung“ habe ich in dem Interview gelernt. Vorher hätte ich Feedback oder Meinung gesagt.
Mir gefallen die Aussagen nicht, ich führe das mal kurz aus. Ich sehe, dass einfache Dinge sehr komplex dargestellt werden und kompliziert beschrieben. Themen sind Netzwerke und Lernen kurz gesagt. Dabei geht er natürlich auf das Internet als komplexes Netzwerk ein.
Viele Aussagen die er in dem Interview trifft sind faktisch nicht richtig, z.B. das YouTube seine beste Zeit schon hatte. Für mich ist das ganze sehr viel heiße Luft. Ich benutze hier ein Zitat aus einem Kommentar: „Oft beziehen Geisteswissenschaftler ihre Autorität nur aus dem Umstand, dass sie Banales unverständlich (mithilfe einer überzüchteten Terminologie) ausdrücken.“ genau das passiert hier.
Die Behauptung, dass das Internet momentan erstickt und auch die Bewertungssysteme die auf Statistik beruhen uns nicht weiter bringen (Googles Pagerank, Amazons Empfehlung). Leider stimme ich hier nicht zu. Natürlich sind semantische Netze gut, aber ich sehe kein muss. Vieles was als nicht funktionierend dargestellt wird von ihm in dem Interview funktioniert.
Die Möglichkeit mit Menschen aus anderen Kulturen Kontakt zu haben und auch mit diesen zu arbeiten und zu lernen wird als ein Problem dargestellt. Natürlich kann es Probleme geben, diese sind in der Anzahl wesentlich kleiner als hier beschrieben. Das Thema macht die Musik, in der globalisierten Welt sprechen alle über dasselbe und verhalten sich ähnlich bei der Kommunikation über das Netz. Wenn ich über ein spezielles mathematisches Problem mit Studierenden aus der ganzen Welt spreche, haben wir in dem Augenblick dieselbe Kultur, die Mathe-Kultur. Das Selbe gilt auch wenn ich mich über das iPohne informiere und unterhalte.
Natürlich kann es bei aufgepusteten Terminologien Probleme geben, weil da jeder sein Luftballon platzieren will. Ähnliches habe ich auch bei anderen Publikationen von Geisteswissenschaftler festgestellt gesehen. Es waren keine Geisteswissenschaftler am „Start“ als das Internet los ging und „Web2.0“ auch nicht. Jetzt muss alles erklärt und mit Begrifflichkeiten bedeckt werden. Man will ja jetzt dabei sein. Ich rede nicht von sinnvollen Projekten, die jetzt auch gerade aus der Geisteswissenschaft gestartet werden. Die Internet und „Web2.0“ als Werkzeug nutzen. Nein, sondern die die jetzt die Weisheit mit Löffel gegessen haben. Gerade für die die Funktionsweise des Netzes zu komplex geworden ist und zu kompliziert zum Verstehen und jetzt versuchen Begriffe zu finden oder Lösungen haben für nicht vorhandene Probleme. Diese lassen sich halt gut an Unternehmen (Enterprise 2.0) verkaufen. Ich will auf gar kein Fall die Arbeit von Prof. Kruse schlecht reden, aber am Ende des Tages spricht da ein Berater der seine Firma platziert. So viele Buzz Wörter habe ich selten in 70 Minuten gehört.
Ich freue mich auf Eure Meinung, gerade wenn ihr eine andere Meinung habt. Ich habe schon von einigen gehört, dass Sie Prof. Kruse genial finden.

PS: Vergleicht einfach die Beiden Videos:
http://de.youtube.com/watch?v=Wvi-dM-KFQs
http://www.youtube.com/watch?v=yL_-1d9OSdk

PPS: Ich schließe in keinem Fall aus, dass ich das Interview nicht verstanden habe. Mir also die notwendige Fähigkeiten und Fertigkeiten dazu fehlen.

PPPS: Es kommen auch sehr viele wirklich intelligente Dinge im Interview vor, aber zum Themen Unternehmen und Wirtschaft. Die Dinge die mit Netzwerk, Internet, Web2.0 usw. sehe ich kritisch. Halt Vorstellung seiner Firma. Kluges Marketing von einem klugen Unternehmer.

9 Gedanken zu “Prof. Kruse im Interview bei Scope: eine qualitative Bewertung

  1. Peter Kruse ist selbstredend😉 interessiert daran sich Selbst zu vermarkten – wie wir alle ;-)) Dennoch gibt er Impulse in viele Richtungen: Netzwerke, kollektive Intelligenz, moderne Unternehmensführung, Rollenverständnis usw. Da er ein Vorreiter ist und definitiv innovative Beraterstrategien entwickelt hat und umsetzt!, „muss“ er immer einige Schritte im voraus agieren, von daher seine „Endzeitprognose“ über verschiedene Internettools… Insgesamt für mich ein interessanter Mensch der etwas zu sagen hat, was meinen Horizont und meine Überlegungen erweitert… Trotzdem kann ich deine Einschätzung nachvollziehen – das nehmen, was dich weiterbringt, den Rest vergessen ;-))

  2. Gary hat mich in einer persönliche eMail aufmerksam gemacht auf mein PS Fehler : “ ich habe gerade deinen letzten Blog gelesen und wollte nur drauf aufmerksam machen das nach einen P.S. ein P.P.S. folgt.
    (P)ost bedeutet nach, also nach nach skriptum.“

    Danke Gary für den Tipp, ich habe es verbessert. Ich freue mich immer über Tipps und Verbesserungsvorschläge🙂

  3. Bin zufällig auf deine Seite gestoßen, weil ich nochmal nachschauen wollte, was die drei Pfeiler von Prof. Kruse waren ^^

    Habe dabei bemerkt, dass du dich mit universitären Themen auseinandersetzt und Bildung+Internet im weitesten Sinne. Deshalb hier meine kleine Eigenwerbung🙂 Schau mal auf http://www.getdocued.net, wir verlinken internationale Dokus und Vorträge u.a Prof. Krause ^^. Ist vielleicht auch was für dich🙂

    Auf jeden Fall alles Gute aus Hamburg,
    jn

  4. Hab mir das Interview noch nicht angehört, deswegen aber gleich in Geisteswissenschaftler-Bashing auszubrechen, finde ich zu generalisiert. Und dass „keine Geisteswissenschaftler am “Start” [waren] als das Internet los ging und “Web2.0″“, das stimmt 1. nicht und ist 2. kein Argument. Man muss nicht immer auf jeden losfahrenden Zug aufgesprungen sein, um sich über das Ziel der Reise äussern zu dürfen.

  5. Habe jetzt deine Bewertung gelesen. Im großen und ganzen hast du denke ich recht Mo. Er hat halt ein relativ komplexes Denken aufgebaut und propagiert das in seinen Interviews. Komplex heißt aber nicht zwangsläufig richtig.

    Ich würde hier gern ein Zitat von John Maeda einbringen, dass mir bei diesen komplizierten Gedankengängen immer wieder einfällt.

    „I used to think about that a lot, because there is so many variations: function follows form, form follows emotion, form follows form, function follows function. I haven’t thought about that in a while. I think that I know what’s right: this is all bullshit. What really matters is: people, friends, family, oxygen, water. And then everything else is fine!“

    Mehr dazu hier: http://www.pohflepp.com/maeda.html

  6. Hi,

    ich stimme deiner Einschätzung nicht zu. Ich bin zwar selbst begeistert vom Web 2.0, aber ich sehe auch viele Grenzen. Momentan bewerten wir die Relevanz von Blogs z.B. über Vernetzungsstatistiken wie bei Technorati. Das ist zwar nett, aber nicht wirklich zielführend. Wer einmal gut vernetzt ist, wird auch weiterhin immer oben in den Statistiken bleiben, selbst wenn er dann nicht wirklich viel neuen Inhalt mehr liefert. Uns allein auf Statistiken und simple Nutzerbewertungen zu verlassen, ist sehr kurzsichtig. Und genau das sagt auch Prof. Kruse. Er verlangt nach intelligenteren Mechanismen, die eine bessere Bewertung zulassen. Nur so kann das System weiter stimuliert werden.

    Dein Argument, dass die Geistewissenschaften nicht zum Start von Web 2.0 da waren, zieht nicht, selbst wenn es richtig sein sollte. Es ist eine fundamentale Aufgabe der Geisteswissenschaften über gesellschaftliche und technische Entwicklungen zu reflektieren und diese zu erklären. Auch kein Geisteswissenschaftler hat die Dampfmaschine erfunden, aber Arbeiten zur Mobilität sind trotzdem enorm wichtig. Letztendlich können uns solche Reflektionen dabei helfen neue Entwicklungen (und Fehlentwicklungen) frühzeitig zu erkennen, damit wir gegensteuern können.

    • Hallo Michael,
      soweit ich weiß hat er Psychologie im Hauptfach studiert und auch in Psyachologie (Experimentalpsychologie) promoviert. Psychologie zählt nicht zu Naturwissenschaften oder anderen MINT-Fächern.
      Ich kann auch schreiben ich habe Informatik, Psychologie, Soziologie und Elektrotechnik studiert, aber davon ist eins mein Hauptfach und zwei sind Nebenfächer und eins ein Studium, welches ich nur zwei Semester lang gemacht habe. Hast Du andere Infos?

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