Was ist Informatik?

Der Fremdwörter Duden (6.Auflage 97) schreibt: Informatik Wissenschaft von den elektronischen Datenverarbeitungsanlagen und den Grundlagen ihrer Anwendungen.“

Das ist die kürzeste Definition die ich gefunden habe auf meiner Suche nach einer guten Erklärung für Informatik. Leider ist die gegebene Definition nicht vollständig. Sie sagt umgangssprachlich: Informatik ist die Wissenschaft von Computern und den Grundlagen von Computer Anwendungen. Im Informatik Duden (2. Auflage 93) gibt es einen zehn Seitige Erklärung zum Begriff Informatik:

Informatik (computer since) Wissenschaft von der systematischen Verarbeitung von Informationen, besonders der automatischen Verarbeitung mit Hilfe von Digitalrechnern. …; viel mehr hat sich die Informatik zu einem zusammenhängenden, theoretisch fundierten Gebäude, also zu einer neuen Grundlagenwissenschaft entwickelt, die auf andere Wissenschaften ausstrahlt. Zugleich führten Einsatz und Anwendungen zu einer Fülle von Erkenntnissen, Methoden und Techniken. Heute stellt sich die Informatik als eine Ingenieurwissenschaft dar, die (anstelle der Grundelemente „Materie“ und „Energie“) den Rohstoff „Information“ modelliert, aufbereitet, speichert verarbeitet und einsetzt. …Ein zentraler Begriff der Informatik ist der Begriff des Algorithmus…“

Den Ansatz von dieser Erklärung finde ich schon besser. Es ist immer noch nicht, dass was ich „fühle“ was Informatik ist. Informatik als Wissenschaft hat es sehr schwer, denn für die meisten Nicht-Informatiker ist ein Informatiker gleich mit einem Programmierer oder jemand der Web-Seiten „macht“ und Computer repariert und Windows drauf „macht“ oder wenn man viel weiß „macht“ der Informatiker auch Computerspiele. Diese Dinge sind, auch so schön wie sie klingen, eigentlich nicht das täglich Brot eines Diplom Informatikers. Klar, eigentlich muss jede Informatikerin programmieren können, da es ein wichtiges Werkzeug ist für ihr ist, aber auch nicht mehr als ein Werkzeug.

Bei einigen Unterhaltungen mit Freunde und Professoren aus der Informatik, wurde mir klar, dass keiner eine Definition von Informatik geben kann. Jede Definition ist eine Beschreibung der Teilgebiete der Informatik und/oder beschreibt durch Beispiele aus den Anwendungsfeldern der Informatik. Prof. Juraj Hromkovic beschäftigt sich auch mit dem Thema. Er schreibt Allgemein wird die Informatik mit folgenden Aussage beschrieben: „Informatik ist die Wissenschaft von der algorithmischen Darstellung, Verarbeitung, Speicherung und Übertragung von Information.“
(Hromkovic, J.: Algorithmische Konzepte der Informatik. Berechenbarkeit, Komplexitaetstheorie, Algorithmik, Kryptographie. Eine Einfuehrung. B.G.Teubner 2001)

Er schreibt weiter, dass die Informatik wie die Mathematik und auch die Philosophie die allgemeinen Kategorien „Determinismus, Nichtdertiminismus, Zufall, Information, Wahrheit, Unwahrheit, Komplexität, Sprache, Beweis, Wissen, Kommunikation, Approximation, Algorithmus, Simulation usw.“ studiert. Diese wissenschaftlichen Kategorien sind nicht auf dem ersten Blick sichtbar oder verständlich für einen Außenstehenden, aber gerade diese Dinge beschäftigen einen Informatiker in den größten Massen. Gerade durch die Sicht der Informatik haben sich einige dieser Begriffe verändert oder stehen nun in einem anderen Licht dar.

Wie es wohl scheint ist die Informatik nicht nur eine Ingenieurswissenschaft. Neben den „technischen Aspekten des Engineering, wie Organisation des Entwicklungsprozesses (Phasen, Meilensteine, Dokumentation). Formulierung von strategischen Zielen und Grenzen, Modellierung, Beschreibung, Spezifikation, Qualitätssicherung, Testen, Einbettung in existierenden Systeme, Wiederverwendung und Werkzeugunterstützung,…“ braucht auch der Informatiker auch noch Wissen über Managementprozesse wie z.B. „Teamorganisation und –leitung, Kostenvoranschlag und Kostenaufschlüsslung, Planung, Produktivität, Qualitätsmanagement, Abschätzung von Zeitrahmen und Fristen, Zeit zur Markteinführung, Vertragsabschluss und Marketing.“ Gerade in den letzten Jahren kommen auch immer mehr Aspekte aus der Psychologie zum tragen in der Informatik. Im Bereich der Mensch-Maschine-Interaktion wird viel öfter der Mensch betrachtet, so dürfen „Usability, Ergonomie, Wahrnehmung, Gedächtnis, Lernen, Bewusstsein usw.“ des Menschen zu kurz kommen.

An dieser Stelle sollte ich nicht versäumen die großen Felder in der die Informatik aufgeteilt wird zu nennen. Dieses Hilft nicht bei der Definition, aber sie hilft sich ein Bild von der Informatik zumachen. Kurz kann man die Informatik in Theoretische und Praktische Informatik aufteilen. Das ist gröbste Art und Weise. Wie es oft in der Literatur(z.B. Peter Rechenberg, Was ist Informatik? Eine allgemeinverständliche Einführung, Hanser, 2000) erwähnt ist und auch auf einem Infoblatt der GI (Gesellschaft für Informatik e.V.) steht sind die großen Felder: „Theoretische Informatik, Künstliche Intelligenz, Praktische Informatik, Technische Informatik und die Angewandte Informatik.“ Über jedes einzelne Gebiet könnte man einen Blogeintrag wenn nicht ganze Zeitschriften Reihen heraus bringen. Ich erspare mir das mal.

An einer guten Universität bekommt eine Informatikerin auch all diese Dinge beigebracht. Natürlich setzt jeder seine Schwerpunkte und wird in bestimmten Gebieten zum Experten. Im zusammen Spiel mit dem jeweiligen Anwendungsfach wird der Informatiker zum Allrounder ausgebildet. Durch diese Anwendungsfächer hat sich an einigen Universitäten und Fachhochschulen eine große Anzahl an Bindestrich-Informatiken gebildet. z.B. Bio-Informatik, Medien-Informatik, Wirtschafts-Informatik, Ingenieurs-Informatik, Medizinische-Informatik, die Liste lässt sich beliebig weiterführen. Im Falle des Studiums eines Bindestrich-Informatik Faches, büßt man oft an der allgemeinen Bereite der Informatik teilzuhaben. Man lernt eventuell etwas mehr im Anwendungsfach, aber hat große Abstriche bei der Informatik.

Am Ende kann ich einfach sagen für mich ist die Informatik die Wissenschaft von: „Wie löse ich ein Problem effizient?“ oder anders „Effizientes Problemlösen“. In der Aussage ist alles andere enthalten, Philosophie, Psychologie, Mathematik, Ingenieurwissenschaften und vieles mehr. Ich bin sicher jeder Informatiker tut nix anderes den ganzen Tag. Egal was er macht es muss in Bezug zu einem bestimmten System effizient sein und er wird von einem Problem getrieben. Am Anfang steht immer das Problem entgegen z.B. der Psychologie, die am Anfang das Phänomen (den Menschen) haben, den Sie zu erklären versuchen. So ist der Informatiker doch am Ende ein „Macher“ wie es die Allgemeinheit denkt, halt nur in ganz anderen Dimensionen.

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