Junior Prof goes Web2.0

Chrisp (Junior Professor) hat heute in seinem Blog geschrieben, dass er etwas Neues machen wird. Er geht mit seiner Arbeit als Wissenschaftler und Professor ins Web. D.h. er arbeitet in Wikis und lässt seine Arbeit von anderen diskutieren. Er schreibt über:”

  • Ich lege die didaktisch-methodischen Konzepte zu meinen Lehrveranstaltungen offen.
  • Ich reflektiere öffentlich meine Lehrerfahrungen.
  • Ich beschreibe meine Forschungstätigkeit und diskutiere neue Forschungsideen.”

Chrisp wird zum öffentlichen Wissenschaftler und wird damit Teil des Paradigmenwechsels an Universitäten. Ich muss sagen ich finde es sehr gut, dass jemand aus dem alten Paradigma (“Profilierung, Egozentrik, Hierarchie, Misstrauen und Angst vor Irrtum (das klingt jetzt sehr negativ – es ist sicher eine Überzeichnung, aber die Tendenz stimmt).” umsteigt.
Das Umsteigen ist nicht so einfach wie sich das anhört. Die eigene Arbeit offen zu Diskussion zu stellen braucht schon Nerven. Die Transparenz macht mehr Arbeit nehme ich an, aber sie bietet auch mehr Chancen für den einzelnen Prof. “Ich sehe dies als Möglichkeit, durch kollektive Wissenskonstruktion neue Ideenressourcen zu erschließen.” Und andere Wissenschaftler können von seiner Arbeit lernen und diese weiterentwickeln.
Hier sehe ich ein kleines Problem, dass es viele geben wird die einfach sammeln werden und nicht teilen werden. Die “Undankbaren”, nenne ich sie mal, sind ein Problem vom neuen Paradigma. Sie werden es dem offenen Wissenschaftler das Leben schwer machen. Die Undankbaren werden alles Gute für ihre Publikationen sammeln, aber nichts zurück geben an die jeweilige Community. Ich denke über einen etwas längeren Prozess wird sich das Problem beheben, aber kurzfristig wird es wohl zu Frust führen ab und an. Insgesammt werden sich die Probleme schnell lösen, wenn die Gruppe/Community der offenen Wissenschaftler wächst.
Chrisp hat einen guten Weg eingeschlagen und hoffe, dass noch mehr Wissenschaftler und Professoren dem folgen werden. Dieses ist auch ein Web2.0 Weg.

Nachwuchswissenschaftler und das alte Paradigma

“Nachwuchswissenschaftler und das alte Paradigma” war der Titel einer Session auf dem EduCamp2008 welche von Steffen Büffel Moderiert wurde. Ein tolles Thema, wie verändert sich die wissenschaftliche Arbeit an Universitäten. In meinem Beitrag Web Sience und Sience 2.0 habe ich schon drei Paper vorgestellt die sich mit der Veränderung von Wissenschaft im Zuge von Web2.0 beschäftigen. In der Session ging es mehr um das alte Paradigma an der Universität vor allem bei Geisteswissenschaften. Auf einer Seite kommen Universitäten technologisch nicht mit und auf der anderen Seite kommen Professoren mit der Umverteilung von Wissen nicht klar. Die Arbeits- und Denkweise muss sich in einigen Punkten ändern. Im alten Paradigma hat man Wissen schön bei sich gehortet und vielleicht in Bücher gegossen. Nun werden immer öfters Wissen und Informationen ins www gestellt. Dieses geschieht nicht immer von der Elite der wissensgesellschaft sonder von ganz normalen Leuten. Dieses Wissen steht dann auch für jeden bereit. Einige Professoren sind nicht sehr glücklich damit, dass ihre Studierenden Teile ihres Wissens aus dem www bilden. Natürlich gehört eine bestimmte Medienkompetenz dazu sich mit wertvollen und richtigen Informationen zu versorgen. Die Wertigkeit ist natürlich subjektiv.

Die Qualität des Wissens aus dem Internet wird oft bemängelt, dass diese nicht vergleichbar wäre mit Prereviewd Journals. In der Session zeigte sich, dass auch Professoren und Junior Professoren anderer Meinung sein können. Der Review-Prozess wird im www von viel mehr Leuten durchgeführt. Bei einer Einreichung eines Papers hat man meist eins bis drei zufällige Experten die ein Qualitätsurteil fällen. Natürlich ist der Review Prozess im www nicht formal, so muss der Suchende die schon erwähnte Medienkompetenz aufweisen. Dieser Prozess muss auch den Professoren verständlich werden, also diese sollten noch etwas an ihre Medienkompetenz arbeiten (weiterbilden).

Natürlich sollten Journals, Bücher usw. nicht wegfallen, aber Veröffentlichungen im Netz sollten mehr gefördert werden. Die Universitäten sollten auch den Wissenschaftlern die entsprechende Infrastruktur bieten. Diese sollten keine Angst vor Veränderung haben und immer Bremsen. Wenn eine Universität wie die RWTH Aachen keine Plattform für Blogs bietet müssen sich die Mitglieder der RWTH an andere Provider wenden. So geht die Identifikation die mit der RWTH möglich wäre verloren.

Durch das Verbreiten und Veröffentlichen des eigenen Wissens bietet man auch eine gute Plattform für Kooperationen. Die Wissensquelle (der Wissenschaftler) wird viel schneller gefunden von anderen Wissenschaftlern oder auch der Industrie. Auf dieser Weise können viel mehr fruchtbare Synergien entstehen. Die Ergebnisse sollten auch wieder in die Gemeinschaft zurück fließen.

Mit dem neuen Paradigma verschwimmen auch immer mehr die Grenzen zwischen den einzelnen Stufen bei den Wissensträgern. Dieses löst sicher im ersten Augenblick auch “Existenzangst” aus; da man überflüssig werden könnte als Wissensträger. Dieses führt dazu, dass die die Wissensquellen sind einen Vorteil haben vor denen die nur Wissensträger sind. Die Wissensquellen werden nie überflüssig werden, weil sie durch ihre Methodik und ihre Kreativität immer neues Wissen und Informationen produzieren werden. Es wird eng für die die sich “zu ruhe” gesetzt haben und sich auf frühere Taten ausruhen. Der Wechsel muss sich auch in der Lehre durchsetzen, so ist die Information nicht mehr wichtig, sondern die Kompetenz diese zu erwerben. Klar, das sagen Pädagogen und andere seit Jahren, aber jetzt ist der Zugriff auf Informationen sehr einfach. Diese Einfachheit ist jedem der Mal Google benutzt hat ersichtlich. Diese Medienkompetenz muss von Professoren vorgelebt und gelehrt werden an Hochschulen. Diese Kompetenzen werden die meisten Absolventen an ihren zukünftigen Arbeitsplätzen brauchen, denn viele Unternehmen reagieren schon auf diese Veränderungen. Hierfür muss man nur die Aktivitäten in der Gruppe “Web2.0 in Unternehmen” bei Xing verfolgen.

Einen Punkt sollte man sich bewusst machen beim neuen Paradigma. Nicht Ausgereifte oder noch Fehlerhafte Ideen und Informationen sind keine Schande. Durch die Gemeinschaft werden diese schon verbessert werden. Man verliert auch nicht im Ansehen. Gerade in meinem letzen Beitrag habe ich ein Stichwort nicht genannt gehabt, welches ich in meinen Notizen hatte, aber nicht für erwähnenswert hielt. Die Gemeinschaft hat aber schnell reagiert und in Kommentaren eine Verbesserung vorgenommen.

Leider ist mir kein “Protokoll” von der Session gelungen in diesem Beitrag; aber ich habe hier niedergeschrieben was ich aus der Session mitgenommen habe. Freue mich auf Kommentare und Verbesserungen J Die Session war gerad zum Ende des EduCamps2008 ein runder Abschluß und für mich sehr wertvoll. Jetzt gibt es Paradigma 1.0 und Paradigma 2.0 ! Was nocht fehlt ist der Prof2.0 …

Web Sience und Sience 2.0

Die Gesellschaft hat sich verändert in den letzten Jahren. Ich spreche von der Web2.0 veränderung, ich weiß nicht ob dass Web2.0 die Gesellschaft verändert hat oder Web2.0 die Beschreibung für die Veränderung in der Gesellschaft ist. (Muss mal der Frage nachgehen!) Diese haben natürlich auch veränderungen in der Wissenschaft mit sich gebracht. So arbeiten die meisten Wissenschaftler (m/w) anders als vor 10 oder 15 Jahre. Gerade durch die Veränderungen der ca. letzten vier Jahre hat sich wieder viel getan. Es gibt zum Beispiel zahlreiche Blogs und Wikis die sich mit Wissenschaft auseinander setzen.Es gibt zahlreiche andere Beispiele die ich hier nicht erwähnen möchte, weil dieses schon andere getan haben. Vorallem gefallen mir in diesem Zusammenhang die Artikel von Tim Berners-Lee (erfinder vom www 1989) und Ben Shneiderman (CS/HCI Prof. an der Universität von Maryland).

“Cerating a Scince of the Web”ist im Science Magazine in August 2006 erschienen. Tim Berners-Lee schreibt, dass das www die Art wie Wissenschaftler kommunizieren, kollaborieren und unterrichten verändert hat. Um solche Veränderungen zu verstehen und auch um neue Entwicklungen für das www zugestallten müssen die Effekte besser untersucht werden. Gerade auch in Hinblick weiterer gesellschaftlicher Veränderungen durch das www müssen diese wissenschaftlich betrachtet werden. Die neue Disziplin kann man “Web Sience” nennen. Hier würden die Methoden der Physik und der Biologie auf der einen Seite und die Arbeitsweise der Informatik auf der anderen Seite sich ergänzen. “Web sience is a combination of these two features. The Web is an engineered space created through formally specified languages and protocols.”Da Menschen die Inhalte erstelllen und das Web durch ihre Interaktionen beeinflussen muss “Web Sience” sehr stark interdisziplinär aufgestellt sein.

Die neue Wissenschaft soll, neue Muster im Verhalten der Nutzer finden, neue Technologie erfinden oder zum Einsatz bringen die den Nutzer unterstützen.”Web science is about more than modeling the current Web. It is about engineering new infrastructure protocols and understanding the society that uses them, and it is about the creating of beneficial new systems.” “Web science is about making powerful new tools for humanity, and doing it with our eyes open.”

Ben Shneiderman nimmt in seinem Artikel “Web Science: A Provocative Invitation to Computer Science“von Juni 2007 dieselbe Argumentation wie Tim Burners-Lee auf. Hier konzentriert sich mehr auf die Informatik und die Veränderungen in diesem Beriech “…Web science signals a new way of thinking about computer science” Er macht die neuen Entwicklungen erst klar: “Semantic Web, ontologies, Web services, and Web-scale coputing”. Im zweiten Schritt geht er auf die Interdisziplinarität ein. Wie man das ganze soziologisch betrachten muss um die Nutzer und ihrem Verhalten zu verstehen. Die Wissenschaftler (Informatiker) müssen sich aber auch neue Forschungsfragen stellen. “In short, the shift is from chips to clicks” .Der Huaptmerkmal in diesem Artikel ist, ob Informatik bereit ist sich den neuen Aufgaben zustellen und wissenschaftlich mit neuen Methoden aus anderen Fachgebieten die neuen Phänomene zu erforschen und neue zukunftsweisende Ideen zu entwickeln. Ben Shneiderman hofft, dass die Informatik diese Aufgabe annimmt.

In seinem zweiten Artikel zu dem Thema “Science 2.0″ welches auch im Science Magazine in März 2008 erschienen ist schreibt er, dass alle Disziplinen sich in ihren Methoden verändern müssen. Science 2.0 braucht natürlich noch die alten Methoden aus der Science 1.0, aber die Werkzeuge müssen nun auch anders wo eingesetzt werden und auch neue Methoden entwickelt werden. “Understanding these collaboration-centered socio-technical systems could accelerate their adoption and raise their adoption and raise their benefits. However, research will need to develop new ways of studying these complex interactions.”

“Science 2.0 researchers …work methods are harmony with research initiatives on Web science, crativity support tools, online education, and socially networked communities, among others. Advancing Science 2.0 will require a shift in priorities to promote integrative thinking that combines computer science know-how with social science sensitivity.”

Falls man die Möglichkeit hat und interessiert ist sollte man die Artikel lesen. Es lohnt sich. Leider sind die Artikel nicht immer kostenfrei. Ich habe Glück, dass ich über die Universität zugang zu den entsprechenden Artikeln hatte.Für weitere Infos kann man http://webscience.org/ besuchen. Die Webseite ist von einem Zusammenschluß von Wissenschaftlern (m/w) die Web Science leben einhauchen wollen gegründet worden. Hier findet man sehr viele Informationen rund um das Thema Web Science.

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