Latente Fremdenfeindlichkeit bei Freunden

Diesen Beitrag will ich schon sehr lange schreiben und nun ist es wirklich an der Zeit für mich. Ich möchte kurz schildern wie für mich sich Fremdenfeindlichkeit äußert bei Personen die von sich überzeugt sind, dass sie eigentlich doch gar nichts mit Fremdenfeindlichkeit oder Rechts zu tun haben.

Am besten beschreibe ich erst meine Umwelt und mich im Bezug zu dem Thema. Ich behaupte von mir ein sehr sehr gut integriert zu sein in Deutschland, obwohl ich wie viele andere nicht hier geboren bin. Von der Grundschule an (vorher war ich nicht in der BRD) habe ich quasi das gemacht was andere auch so machen in Deutschland. Schule, Abitur, Studium. OK, nicht alle sondern ich habe das gemacht was auch mein Umfeld zum größten Teil gemacht hat, in diesem Punkt bin ich sehr angepasst. Ich war sogar sehr engagiert in der evangelischen Gemeinde bei uns (habe sogar mal bei Weihnachts-Krippen-Spiel mitgemacht), habe mich in Sportvereine betätigt. Als Trainer war ich für mein Bundesland unterwegs und zwei Jahre im Vorstand von einem Basketball Verein und habe auch mal mich ins Studierendenparlament wählen lassen. Viele diese Dinge sind typisch deutsch und ich bin teilweise weiter gegangen als meine anderen Freunde mit meinen Aktivitäten.

Mein Freundeskreis, Bekannte und Berufskontakte sind überwiegend deutsche oder keine wie man hier sagt “Südländer”. Das hat sich irgendwie über die Jahr so ergeben, war eigentlich seit der Grundschule nicht viel anders gewesen. Die meisten dieser Menschen sind offenkundig nicht Rechts und weit davon entfernt. Sie regen sich zum größten Teil z.B. über Thilo Sarrazin auf und finden Neonazi Aufmärsche blöd. Nichts desto trotz kommen in ihren engen Freundeskreise kaum “Migranten” vor. Der Franzose zählt hier für mich nicht zu den “Migranten”-Kreis. Grade männliche “Südländer” tauchen in den Kreisen sehr selten auf und sind wenn nicht im engeren Freundeskreis von meinen deutschen Freunden. Mir fällt so spontan niemand außer mir auf. Ich habe natürlich auch Freundeskreise, die vorwiegend aus “Migranten” und “Migrantinnen” bestehen, da bin ich meist der Exot mit so all meinen deutschen sehr guten Freunden.

Es gibt tatsächlich für mich einen Sinn wieso das so ist. Das ist die “Latente Fremdenfeindlichkeit bei Freunden”. Hier geht es nicht um politisch unkorrekte Witze und scherze, da bin ich selbst ganz groß drin. Nein es geht um tatsächliche Fremdenfeindlichkeit oder Fremdenangst. Ich denke das Problem ist nicht, dass jemand das richtig Bewusst fühlt sondern einfach aus sich raus latent das Gefühl hat. Zwei Beispiele werde ich gleich nennen.

  1. Ich hatte mal eine Freundin, die mir irgendwann erzähle, dass in der Fußgängerzone immer mehr Läden schließen würden und in vielen diesen Läden jetzt Ausländer ihr Geschäft aufmachen würden. Es würde ein überhand nehmen in der Fußgängerzone und sie würde sich irgendwann wohl da nicht so wohl fühlen. Die deutschen Geschäftsbesitzer, die aus finanziellen Gründen ihre Geschäfte aufgaben, würden in ihren Augen irgendwie von den meist “südländischen” Geschäftsleute vertrieben.
  2. Kürzlich war ich in einem Großraum Diskothek mit einem Freundeskreis. Dort gibt es vier, fünf Bereiche mit unterschiedlichen Musikrichtungen und Bars usw. Irgendwann wollte eine Freundin von einem Raum ins andere wechseln und Fragte mich und einen Freund ob wir in den anderen Raum möchten. Da sagt der Freund: ” Nein, auf gar kein Fall!! In dem anderen Raum sind nur Türken.” Ich habe da nachgefragt noch mal, weil ich nicht sicher war was er mir da sagt. Die Antwort war dieselbe und er bahrte sehr stark drauf. (Nachtrag: In dem Raum waren nicht nur Türken, vielleicht mehr nicht deutsche als rein deutsche. Geschlechterverhältnis war auch wie in den anderen Räumen.)

Für mich ist das latente Fremdenfeindlichkeit. Direkt angesprochen würde beide Personen sich von diesem distanzieren, aber sie fühlen anders. Problem für mich ist, dass sie in dem Moment mit mir sprechen, aber nicht realisieren, dass sie quasi über mich sprechen irgendwie (auch wenn ich nicht ein Türke bin). Ich könnte genauso gut in dem anderen Raum gestanden haben und er hätte diese negativen Gefühle mir gegenüber gehabt. Das nur weil ich entsprechend aussehe. Und tatsächlich hatte jemand aus meiner Familie in der Fußgängerzone einen Blumenladen eröffnet. Für mich heißt es die Freunde akzeptieren mich, aber nicht den Rest von mir, Freunde und Familie und irgendwann vielleicht meine Kinder. Das ist ein riesiges Problem. Irgendwo habe ich aufgeschnappt, dass das Problem “Eingrenzung” heiß. Also das Gegenteil von Ausgrenzung. Meine Freunde grenzen mich ein, damit werde ich für sie zum Deutschen und nicht mehr Fremden, damit können sie die anderen “guten Gewissens” ausgrenzen. Es wäre schwer die “guten Ausländer” auch als solche zu sehen, denn dann müsste man seine Weltanschauung überdenken und die Schubladen müssten neu sortiert werden. So wird Komplet ein Teil der Identität weg geblendet. Das meine Freunde und Freundinnen irgendwie oder irgendwo das her haben und so geprägt wurden ist mir klar. Die Frage die ich mir stelle ist, wie geht man damit um? Ich verstehe die Leute die irgendwann resigniert haben und gesagt haben, sie suchen ihre engeren Freunde bei “nicht deutschen” oder Klicken wo die Mischung “ausgewogener” ist. Ist das aber eine Lösung für unsere Gesellschaft?

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